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Was ist eine
Sekte ?
Wir Deutschen haben es in der Regel etwas
schwerer, als unsere europäischen Nachbarn, wenn es darum geht, eine
Sekte zu identifizieren. Während es etwa in Frankreich, England oder
Schweden gar keine offiziellen Landeskirchen gibt und man deshalb darauf
angewiesen ist, Kirchen nach ihren Inhalten und Auswirkungen beurteilen
zu können, macht man es sich hier häufig leicht, indem man sagt:
"das ist eine katholische/evangelische Kirche, also muß das schon
in Ordnung sein!" Oft wird dann alles, was nicht zu den beiden "etablierten"
Kirchen gehört, (meist aus Unkenntnis) erst einmal argwöhnisch
beäugt.
Es ist interessant, daß schon die Bibel
berichtet (in Apostelgeschichte 24), daß die damalige religiöse
Führung Israels die neu entstandenen Christengemeinden als Sekte bezeichneten.
Zunächst einige Kennzeichen einer
gesunden, biblischen Kirche oder Gemeinde:
- Jesus Christus steht im Mittelpunkt der
Gemeinschaft. Der Glaube an sein Erlösungswerk (der stellvertretende
Kreuzestod) ermöglicht den Menschen den Weg zu Gott dem Vater, nicht
irgendeine andere Methode oder ein "menschlicher Stellvertreter".
- die Bibel wird ernst genommen als geoffenbartes
Wort Gottes. Sie ist Richtschnur für alles Handeln der Kirche und
braucht keine Sonder- oder Zusatzlehre.
- Die Kirche oder Gemeinschaft sucht die
Zusammenarbeit mit anderen Christen. Isolierung und Abgrenzung sind ihr
fremd, deshalb verständigt sie mit anderen auf wesentliche christliche
Glaubensgrundsätze (z.B. apostolisches
Glaubensbekenntnis, Glaubensbasis der Evang. Allianz).
- Sie nimmt Anteil an der Gesellschaft um
sich herum und versucht, durch soziales und diakonisches Engagement ihre
Umwelt positiv mitzugestalten.
Die folgenden Abschnitte, die am Ende sieben
prägnante Merkmale einer Sekte aufzeigen, sind angelehnt an eine
Publikation der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen
(Quellenangabe unten).
Der theologische Sektenbegriff: Das
Problem besteht darin, daß der Begriff "Sekte" auf zwei unterschiedlichen
Ebenen benutzt wird. So gibt es eine theologische Ebene des Sektenbegriffs:
Sekte bedeutet hier eine Abspaltung von einer großen Kirche. Aus
der Sicht dieser Kirche hat die abgespaltene Gruppe den Boden des gemeinsamen
Glaubens verlassen oder die alten Glaubenswahrheiten verändert und
ist somit zur "Sekte" geworden. Meist verschlechtert sich die Beziehung
zwischen
beiden so weit, daß die Sekte ihrer Mutterkirche jegliche Glaubwürdigkeit
abspricht und für sich selbst beansprucht, den einzig wahren Weg zu
Gott oder zum Heil des Menschen zu kennen. Häufig fordert sie von
ihren Anhängern im gleichen Atemzug totale Unterordnung.
Die klassischen Sekten haben:
- Eine christliche Wurzel,
- sie verweigern anderen christlichen Gemeinschaften
jegliche ökumenische Zusammenarbeit, und
- sie beanspruchen für sich, den einzigen
Weg zum Heil zu besitzen.
Der umgangssprachliche Sektenbegriff: Diese
zweite Ebene des Sektenbegriffs überlagert den theologischen Sektenbegriff.
Was meinen die privaten Fernsehsender und viele Boulevardzeitungen, wenn
sie von "Sekten" reden?
Hier wird der Sektenbegriff genutzt, um in
erster Linie eine Abweichung vom Wertekonsens der Gesellschaft zu benennen:
Eine Gruppe wird als "Sekte" empfunden, die (im harmlosen Fall) aus der
bürgerlichen Welt aussteigt und zurückgezogen in einer Landkommune
lebt, oder die radikal aussteigt, fremde Heilsideen aufnimmt und skrupellos
die eigenen Interessen verfolgt.
Oft werden dabei auch Gruppen als "Sekte"
wahrgenommen, die genau genommen gar keine religiösen Gemeinschaften
sind.
Was macht eine Gemeinschaft zur "Sekte"?
Es gibt ein Geflecht von Kriterien. Wenn
mehrere zutreffen, dann wird man sagen können, daß die jeweilige
Gruppe eine "Sekte" ist oder zumindest in der Gefahr steht, zu "versekten":
- Eine
Führerfigur der Gruppe wird selbst zum Objekt der Verehrung.
- Sie bindet ihre Anhänger eng an sich
bzw. an das eigene Heilskonzept.
- Es gibt keinerlei soziales oder diakonisches
Engagement.
- Die Gruppe sieht sich von Feinden umstellt
und weiß eher zu sagen, wogegen sie ist, als wofür sie eintritt.
- Kritik ist weder innerhalb noch von außen
möglich. Wer Fragen stellt, wird gemieden oder verteufelt.
- Wer nicht mitmacht, gilt als dumm, minderwertig,
verloren.
- Wer die Gruppe verlassen will, wird bedroht;
Aussteiger oder Abtrünnige werden tyrannisiert.
(Quelle: http://www.ekd.de/ezw/42787_43132.php) |